Tages-AnzeigerTages-Anzeiger

Wie sicher bin ich in diesem Raum vor Corona-Viren?

Ob Warteraum beim Arzt, Schulzimmer oder im Laden - Infektionen durch Aerosole sind eine reale Gefahr. Berechnen Sie Ihr ganz individuelles Ansteckungsrisiko mit unserem Tool.

Andreas Moor, Marc Brupbacher, Sebastian Broschinski
Aktualisiert am 1. Februar 2020

Aerosole sind in der Regel nur wenige Tausendstel Millimeter (Mikrometer) gross und schweben dadurch über Stunden in der Luft und können sich auch in grossen Räumen rasch verbreiten. Arbeitshygieniker und Risikoforscher Michael Riediker hat das Ansteckungsrisiko mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 durch Aerosole modelliert und kam zum Schluss, dass zwar nur etwa zehn Prozent der Infizierten genügend Viren in sich tragen, um auf diesem Weg das Virus zu übertragen. In solchen Fällen drohten jedoch Superspreader-Ereignisse mit vielen Ansteckungen. Der Wissenschaftler des Swiss Centre for Occupational and Environmental Health (SCOEH) in Winterthur hat sein Modell im Fachblatt «JAMA Network Open» veröffentlicht und in einem weiteren Artikel einen Ansatz beschrieben, wie sich damit verschiedene Ansteckungssituationen simulieren lassen. Unser Tool basiert auf diesen Daten.

WICHTIG: Das Tool simuliert nur das Ansteckungsrisiko über Aerosole im weiten Feld, also, wenn der Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten wird.

Am Beispiel von drei Szenarien


Sie haben eigene Einstellungen gemacht. Kehren Sie hier zu den voreingestellten Szenarien zurück.
Das Restaurant fasst etwa 300m³ und wird von einer starken Lüftung belüftet. Die Gäste benötigen für das Abendessen etwa drei Stunden und tragen dabei keine Masken. Die sitzenden Gäste sorgen für wenig Aktivität; die Gespräche in normaler Laustärke führen zu mässiger Sprechaktivität. Es ist eine sehr ansteckende Person im Raum anwesend.
Eine Infektion ist wahrscheinlich.
964
106 Minuten

Erstellen Sie durch Verschieben der folgenden Kacheln Ihr eigenes Szenario – und sehen Sie, wie sich das Covid-Ansteckungsrisiko durch Viren in Aerosolen verändert.

Methodik Basierend auf dem mit seiner Kollegin Dai-Hua Tsai erschaffenen Modell, entwickelte Arbeitshygieniker Michael Riediker zusammen mit Christian Monn vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) einen Simulator ohne Interface, mit welchem berechnet werden kann, wie sich virusbelastete Aerosole in Räumen anreichern.

Im Vergleich zur Atmung erhöht leises Sprechen die Menge an Schwebeteilchen etwa um das Zehnfache, lautes Sprechen und Singen steigern die Zahl weiter. «Auch beim Sport können sich die Emissionen leicht verdoppeln bis vervierfachen», so Riediker. «Etwa zehn Prozent der infizierten Bevölkerung geben so viel Virus ab, dass ein realistisches Ansteckungsrisiko besteht, insbesondere wenn sie in kleinen, schlecht belüfteten Räumen laut und lange sprechen.» Einer von hundert oder gar tausend Infizierten mit oder ohne Symptome sei ein Superemitter und könne selbst in sehr grossen Hallen andere infizieren. Dann kann es gemäss den Berechnungen auch bei normaler Atmung zu einer Ansteckung kommen, wenn eine Person eine Stunde im gleichen Raum ist. Bei den meisten Infizierten mit durchschnittlicher oder tiefer Virenlast hingegen ist gemäss der Modellrechnung eine Ansteckung selbst bei häufigem Husten sehr unwahrscheinlich.

Wie ansteckend erwachsene Personen sind, wurde mittels publizierten Zahlen von Virenkopien bestimmt mit PCR-Tests und Aerosolemissionen modelliert. Eine detaillierte Beschreibung des Tools gibt es auf Riedikers Blog.

Die Tools wurden mit grosser Sorgfalt erstellt und im Detail überprüft, können jedoch Fehler enthalten. Verwenden Sie das Tool nicht als alleiniges Instrument für kritische Entscheidungen.